Wo bleibt der Protest aus dem Tal?

Windräder auf der Bergkuppe sind bis nach Karlsruhe sichtbar

Gegner der Windkraftanlagen legen Fakten vor. Bisher kommt lautstarker Protest gegen die geplanten Windkraftanlagen auf der Kohlplatte und dem Edelberg nur aus den Bergdörfern. Alle anderen Angrenzer sind im Augenblick noch erstaunlich still, wundern sich

die Mitglieder der Bürgerinitiative ProBergdorf. Dabei sind die geplanten fünf Anlagen auf der Bergkuppe weithin sichtbar und beeinträchtigen nicht nur den Blick auf die Ausläufer des Schwarzwaldes, sondern stören in erheblichem Maße auch das beliebte Naherholungsgebiet. In einer Bürgerversammlung stellten die Mitglieder von ProBergdorf ihre bisherige Arbeit und ein 88-seitiges Exposé vor und unterstrichen die vielen Fakten, die sie dabei gesammelt haben. Demnach seien die vom Nachbarschaftsverband ausgewiesenen Flächen absolut ungeeignet für derartige Anlagen, wie übrigens der Regionalverband bereits festgestellt hat. Weshalb der Nachbarschaftsverband an den Standorten mitten im Wald festhält, ist für die Protestler absolut unverständlich. Selbst die LuBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) bewertet den Standort als vollkommen ungeeignet. Immerhin 50.000 qm Waldfläche müssen den geplanten Windkraftanlagen inklusive Zufahrtsstraßen weichen. Im Hinblick darauf erscheint die Haltung der Karlsruher Grünen im Gemeinderat schon unverständlich. Auch die Aussage der SPD-Fraktionsvorsitzenden, Doris Baitinger, anlässlich einer Protestaktion auf dem Marktplatz stößt auf keinerlei Verständnis. Sie bemerkte, dass die Leute im Tal ja schon das Kohlekraftwerk im Rheinhafen verkraften müssten, jetzt seien halt die Bergdörfer dran. Zum besseren Verständnis: Der Kamin des Kohlkraftwerkes wurde so hoch gebaut, dass nur wenige Beeinträchtigungen durch Emissionen für die Stadt Karlsruhe zu erwarten sind. Wo lagern die Partikel sich dann ab, wenn sie der Wind Richtung Schwarzwaldkamm trägt, fragen sich die Bergdörfler zu Recht. Eine Studie der Universität of Wales besage außerdem, dass es signifikante gesundheitliche Beeinträchtigungen gäbe bei Anwohnern in einem Umkreis von Windkraftanlagen von zwei Kilometern. Selbst die Hersteller von derartigen Anlagen gehen von größeren Abstandsflächen aus als der Regionalverband. Würde man den Angaben der Hersteller folgen, dürften an der geplanten Stelle keine Windräder installiert werden, um die nächtliche Lärmbeeinträchtigung von maximal 35 Dezibel zu unterschreiten. 1200 Meter seien erforderlich, der Nachbarschaftsverband hält 1000 Meter für ausreichend. Welche langfristigen Folgen der sogenannte „Infraschall“ auf die Gesundheit der betroffenen Anwohner hat, sei noch nicht erforscht. Aufmerksam machen die Bürger aus den Bergdörfern auch auf den Eingemeindungsvertrag von Wettersbach zur Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 1975. Der besagt, dass alle Flächen aus dem damaligen Flächennutzungsplan erhalten bleiben. Dort heißt es wörtlich: „Alle Flächen, die im Flächennutzungsplanentwurf außerhalb der Bau- bzw. Baureserveflächen liegen, müssen künftig von jeder Bebauung freigehalten werden. Dabei wird auf die Erhaltung der derzeitigen Waldfläche besonders Wert gelegt. Die Naherholungsfunktion des Waldes muss im bestehenden Umfange erhalten und weiter ausgebaut werden….“ Eine Tatsache, die man im Karlsruher Rathaus und beim Oberbürgermeister heute nicht mehr berücksichtigen möchte. Bis heute hat die Bürgerinitiative ProBergdorf rund 5000 Unterschriften gesammelt, bis Ende des Jahres sollen es 10.000 sein. Dabei rechnen die Initiatoren auch mit kräftiger Unterstützung aus Wolfartsweier, Rüppurr, Durlach und Aue. Von dort aus sind die etwa 200 Meter hohen Türme bestens zu sehen und würden das Bild des Schwarzwaldes nachhaltig beeinträchtigen. Sollte im Spätjahr dieses Jahres im Nachbarschaftsverband die Entscheidung doch für die sogenannten „Konzentrationsflächen“ neben dem Funkturm fallen, erwägen die Protestler auch rechtliche Schritte. Immerhin hat die Stadt Karlsruhe 60 Prozent der Stimmen bei der Entscheidung. Bild: Der Blick aus Wolfartsweier zeigt die Dimension der geplanten Windkraftanlagen beim Wettersbacher Funkturm.

 

Hier finden Sie die Gesamtausgabe des Durlacher Blattes vom 31.5.2013; auf Seite 2 der ganze Bericht.

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2 Responses to “Wo bleibt der Protest aus dem Tal?”

  1. Kristin sagt:

    Also über diesen Beitrag kann ich mich nur wundern! Kohlekraftwerke sollen auf einmal weniger gesundheitsschädlich sein als Windräder?????

    Warum nicht gleich Atomkraftweke im Garten??? Die sind dann wahrscheinlich richtig gesund!

    *Ironie Ende*

    Schade, dass es immer noch so viele Leute gibt, die nicht weiter als Ihre Nasenspitze sehen können. Unsere Kinder werden diese Stumpfsinnigkeit noch verfluchen. Aber lebt ruhig schön weiter nach dem Motto: "Ich will alles und bin gegen alles"….

    traurig, traurig….

     

     

    • Dan sagt:

      Die Windenergie macht aber hier auf dem Berg absolut keinen Sinn, da zu wenig Wind und eine Abholzun von 50.000m² schützenswertem Wald (Stichworte: CO2, Wasserspeicher…) unterstreichen die Unsinnigkeit noch.

      Dazu kommt dann noch, dass so nah an Wohnbebauung Windräder gefährlich und ungesund sind (Schutzabstände).

      Jetzt alles klar?

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    Unsere Aktion Unterschriftslisten ist bis auf weiteres eingestellt, da die Planung von Konzentrationszonen bei den Bergdörfern aufgegeben wurde. (NVK 02.12.2013)
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